| 4. Auswirkungen einer Online-Zweikl@ssengesellschaft
Die Verbreitung des Internets in der Bundesrepublik erfolgt zunehmend durch private Anbieter. Dabei besteht die Gefahr, dass einzelne gesellschaftliche Gruppen von den Vorteilen dieser Entwicklung ausgeschlossen werden, da die Teilnahme an diesen Diensten gebührenpflichtig sind.
Hier zwei Beispiele: Die Zahl der Deutschen, die über einen Internet-Anschluss
verfügen, steigt rasant: Ende 2000 waren ca. 25 Millionen Bundesbürger
mit Boris Becker einig und sagten "Ich bin drin!". Ende 2002 sollen es
über 40 Millionen sein, die über einen Internetanschluß
auf das WWW zurückgreifen können. Als im Juni 2000 die Comdirect-Bank an die Börse ging, gab es drei Klassen von Aktienkäufern. Die erste Klasse der Aktienkäufer waren die Internet-Kunden von Comdirect: Sie durften bis zu 250 Anteilsscheine ins Depot nehmen. Die zweite Klasse waren die Commerzbank-Kunden, dort bekam jeder zweite Interessent 33 Aktien. Die dritte Klasse waren die einfachen Menschen ohne Internet-Anschluss, sie erhielten gar nichts und konnten allenfalls am nächsten Tag den Kursaushang in ihrer Sparkassenfiliale studieren. Hier weitere Beispiele: Auch wer Arbeit sucht und nicht am Internet hängt, schaut schneller in die Röhre: Mehr als 3.500 bundesdeutsche Unternehmen (Stand 08/2000) verlassen sich nicht mehr auf die Vermittlungskünste des Arbeitsamts und suchen ihr Personal via Internet. Bei "worldwidejobs.de" beispielsweise. Dort sind derzeit rund 125.000 Stellen im Angebot. Mittlerweile bietet auch das Arbeitsamt unter www.arbeitsamt.de eine schnelle und vergleichsweise sehr aktuelle Online-Jobbörse an. Andere Unternehmen erwarten, dass Bewerber über die Jobangebotsseite der Firmenhomepage Kontakt aufnehmen. Wer kein Internet hat, wird nie erfahren, dass je eine Stelle frei gewesen ist. Langsam wird wahr, wovor Gesellschaftskritiker seit Jahren warnen: Deutsche ohne Internet-Anschluss werden zu Deutschen zweiter Klasse. Und die, die "drin" sind, genießen die Vorteile des Netzes und sei es nur das billigere Online-Banking.
Eine weitere Entwicklung im Internet: Der digitale Graben trennt auch die Generationen. Für die 14- bis 19-Jährigen ist das Internet zum Alltagsmedium geworden. Dabei geht es nicht nur um Nutzen und wichtige Kenntnisse für die Zukunft, sondern vor allem auch um Spass: Mehr als zwei Drittel sagen, dies sei der Grund, warum sie "drin" sind. Dabei nutzen sie das Netz anders als die meisten älteren Surfer. Sie sind weniger an Informationen interessiert, kaufen weniger online ein und schicken auch weniger E-Mails. Statt dessen halten sie sich dreimal so häufig in Chat-Räumen und Diskussionsforen auf. Was die Surfer von ihren statistischen Gegenparts unterscheidet, ist nicht nur der geschicktere Umgang mit Computer und Technik, der im privaten Gebrauch trainiert wird. Sie trauen sich mehr zu, schrecken weniger vor neuen Aufgaben und Problemen zurück, nicht nur wenn es um den Netzzugang und den PC geht. Zugleich erwarten sie aber auch mehr und setzen mehr auf die eigene Person als auf traditionelle Werte wie Solidarität und Gemeinschaft. Der Aussage "Ich will Macht und Einfluss" stimmten fast doppelt so viele Viel-Nutzer zu wie Nicht-Nutzer. Und sie verlieren eher die Geduld, wenn mal etwas länger dauert. Der digitale Graben läßt sich nicht aufheben, denn seine Existenz gründet sich nicht aus der Entstehung des Internets heraus, sondern er ist eine Reflexion der bestehenden wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in unserer Gesellschaft, national wie international. Die digitale Kluft verläuft zunächst einmal zwischen den Generationen: Die Internet-Deutschen sind im Gros zwischen 25 und 45 Jahre alt und damit jünger als die Restbevölkerung, wenn auch nicht ganz so jung, wie oftmals angenommen. Und sie verfügen über Geld: Die Internet-Deutschen verdienen mehr. Das ist der zweite demographische Unterschied. Die Offline-Deutschen haben eine merkwürdige, scheinbar widersprüchliche Einstellung zum Internet. Einerseits halten 44 Prozent den Wirbel, der um das Internet gemacht wird, für übertrieben und warten mit versteckter Schadenfreude auf den "Big Bang" vergleichbar mit der Aktienentwicklung am neuen Markt. Gleichzeitig aber glauben 31 Prozent, dass das Internet für ihre eigene Zukunft sehr wichtig sein wird. Von den 30- bis 39-Jährigen sind es sogar über 50 Prozent. Für die 14- bis 19-Jährigen ist das Internet ein normales Medium, mit dem sie sehr souverän umgehen: Klar, das Netz ist wichtig für die Zukunft, sagen sie. Aber mehr als zwei Drittel der jungen Leute sagen eben auch: "Ich habe mir das Internet angeschafft, weil es Spaß macht." Die älteren Internet-Deutschen sind anders
als die Jungen nicht mit dem Netz groß geworden. Für sie
bedeutet die Begegnung mit dem Internet einen Einschnitt in ihr Leben.
Je mehr sie online sind, desto mehr ändern sich ihre Einstellungen
und Gewohnheiten. |
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4. Auswirkungen einer Online-Zweikl@ssen-gesellschaft
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5.
Gegenmaßnahmen |
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