II: Wie sieht es weltweit mit dem Internet aus?

Zwar breitet sich das Internet schneller aus als jedes andere Kommunikationsmedium zuvor. Doch am größten Teil der Weltbevölkerung ist diese technologische Entwicklung bislang vorübergegangen (vgl. Bild 2).

Der digitale Graben, also die Kluft zwischen der informations-technologischen Ausstattung in den Industrieländern einerseits und den Entwicklungsländern andererseits, scheint unüberwindbar. Auch der Einsatz neuer, das Internet unterstützender Technologien, wie z.B. der Mobilfunk, verschafft lediglich der wohlhabenderen städtischen Bevölkerung Zugang zum Internet. Dagegen werden die ländlichen Regionen vor allem Länder in Afrika und Südasien noch lange auf Anschluss warten müssen. So braucht man in Afrika auf dem Lande im durchschnitt ca. 2 Tagesmärsche um an einen funktionierende Internetanschluss zu kommen (DSE, 2001).


Bild 2: ca. 375 Mio. private Internetnutzer weltweit (Stand 11/2000)

Dies setzt aber voraus, das es an dieser Stelle auch zwei weitere Dinge geben muß: einen funktionierenden Computer und Strom.

Die Schließung oder zumindest die Reduzierung des "digitalen Grabens zwischen Norden und Süden" war auch Thema der letzten G 8 - Treffen der Staats- und Regierungschef (2001, Genua). Dieses Ziel ist aber eine Herkulesaufgabe und zudem ungeheuer teuer.

Eigentlich mangelt es an allem: Für einen Anschluß an das Internet braucht man drei Dinge: eine gute Telefonverbindung, einen guten Computer mit Modem und elektrischen Strom. Die Erfüllung dieser Voraussetzungen - jeder einzelnen und erst recht aller drei zusammen - ist in den ärmeren Ländern, insbesondere den ländlichen Regionen, die Ausnahme.

So haben 80 % der Weltbevölkerung keinen Telefonanschluss. Und in fast 50 Ländern auf dieser Erde gibt es weniger als ein Telefon pro hundert Einwohner. Dieser Zustand wird begleitet von einem starken Stadt-Land-Gefälle. So befinden sich z.B. etwa 50 % aller Telefonanschlüsse Afrikas in den Hauptstädten der jeweiligen Länder, obgleich dort nur ca. 10 % der Bevölkerung leben. So gibt es denn auch nur in den meisten Großstädten echte Internetanschlüsse mit möglichen Online Diensten wie E-Mail oder WWW.

Auch der Mobilfunk als möglicher Träger für den Datentransfer via Internet ist für Entwicklungsländer prinzipiell unerschwinglich. Für dessen Funktionsfähigkeit ist eine teure Infrastruktur erforderlich, und sollen größere Datenmenge über große Entfernungen transportiert werden, dann funktioniert das nur über geostationäre oder low-earth-orbit-Satelliten. Auch hier sind die Kosten viel zu hoch: z.B. kostet die monatliche Gebühr für eine 128 KB-Verbindung ca. 3.000 - 5.000 $. Und eine Sende- und Empfangsstation ca. 30.000 $, zzgl. der Kosten für besonders ausgebildetes Personal.

Daneben mangelt es an Kaufkraft der potentiellen Internetnutzer. Diese haben einfach kein Geld für einen Online-PC. Selbst wenn wir diesen Menschen einen PC schenken würden, fehlt es an ausreichend Geld zur Abdeckung der Betriebskosten, die proportional betrachtet viel höher sind als in den Industrienationen. In den G 8 Ländern liegen diese Kosten bei ca. 0,5 - 3 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens. In vielen Entwicklungsländern liegt dieser Wert bei bis zu 118%. Eine kostengünstigere Alternative zum Individualzugang zu den neuen Medien könnten öffentliche Zugänge sein, sogenannte Cybercafés, Telecenter oder Einrichtungen in Schulen.

Im Rahmen eines "One-Word-Projektes", dass von den G 8 Staaten und auch von der UN unterstützt wird, liegen die Einrichtungskosten von Ybercafés und Teleceter bei ca. 40.000 - 100.000 $. Die laufenden Kosten pro Jahr werden auf 35.000 - 75.000 $ geschätzt. Hier stehen in den kommenden Jahren Investitionen in Milliarden Dollar zur Diskussion. Wer soll oder wer will das bezahlen?

1. Begrüßung
2. Einleitung
3. Faktoren - 3.1 Allgemeines
3.2 Alter und Geschlecht
3.3 Haushaltsnettoeinkommen
3.4 Schulbildung
3.5 Standort
3.6 Arbeitslosigkeit
3.7 Domains
3.8 Bedürfnisse der Menschen
3.9 Zusammen-fassende Übersicht
4. Auswirkungen einer Online-Zweikl@ssen-gesellschaft

5. Gegenmaßnahmen
Beispiel 1: Werbekampagne AOL und Boris Becker

Beispiel 2: Aktionspro-gramm der Bundesregierung "Internet für Alle"
6. Schlussfolgerungen und Diskussion
7. Quellen
8. Weitere Informationen
8.1 Situation auf dem Internet-Markt in Deutschland
8.2 Wie sieht es weltweit mit dem Internet aus?
8.3 "Feindstaaten des Internet" (Stand 2001)
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